17/06/26

Russische Fregatte feuert Warnschüsse auf britische Segelyacht

Ein britisches Rentnerpaar segelt südlich der Isle of Wight – und gerät in einen internationalen Zwischenfall. Die russische Fregatte Admiral Grigorowitsch feuert Warnschüsse auf ihre Jacht. Russland und Großbritannien beschreiben den Hergang grundlegend anders...
Russische Fregatte feuert Warnschüsse auf britische Segelyacht

Die russische Fregatte Admiral Grigorowitsch hat im Ärmelkanal Warnschüsse auf eine britische Segelyacht namens "Bright Future" abgefeuert. Das Boot des britisches Ehepaars Jane und Alan Kelvey an Bord befand sich nach Angaben der beiden rund 20 bis 23 Seemeilen südlich der Isle of Wight und damit knapp außerhalb britischer Hoheitsgewässer.

Über den genauen Ablauf des Vorfalls gibt es widersprüchliche Darstellungen.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Crew der Admiral Grigorowitsch habe zunächst versucht, per Funk Kontakt aufzunehmen, dann Signalraketen abgefeuert und Schallsignale gegeben. Da die Jacht ihre Annäherung trotzdem fortgesetzt habe, habe der Kommandant Warnschüsse aus Handfeuerwaffen in Fahrtrichtung des Schiffes angeordnet. Erst danach sei die „Bright Future" abgedreht. Russischen Angaben zufolge näherte sich die Jacht bis auf 150 Meter.

Warnschüsse auf britische Segelyacht

Jane und Alan Kelvey widersprechen dieser Darstellung gegenüber der BBC deutlich. Sie berichten, die Fregatte habe zunächst fünf Töne mit dem Horn gegeben, woraufhin sie die Jacht sofort zwei Grad nach Backbord gedreht hätten. Rund eine Minute später habe das Horn erneut fünfmal ertönt, gefolgt von vier bis fünf Schüssen kleinen Kalibers in die Luft. Den Mindestabstand zur Fregatte beziffern die Kelveys auf etwa 450 Meter. Ihre Jacht sei zu keinem Zeitpunkt auf Kollisionskurs gewesen.

„Aus unserer Sicht war es kein Vorfall, bis die Schüsse fielen", sagte Jane Kelvey der BBC. Beide bezeichneten das Vorgehen als nicht notwendig. Verletzte oder Schäden gab es nicht.

Die BBC berichtete zudem von Seenebel im Ärmelkanal zum Zeitpunkt des Vorfalls. Das britische Patrouillenboot HMS Mersey, das in Portsmouth stationiert ist und russische Kriegsschiffe im Kanal regelmäßig begleitet, folgte der Admiral Grigorowitsch auch an diesem Tag. Nach dem Vorfall schickte die HMS Mersey nach Medienberichten ein Team in einem Beiboot zur „Bright Future", um die Besatzung zu befragen und ihren Zustand zu prüfen.

Unterschiedliche Darstellungen

Die Admiral Grigorowitsch ist seit Monaten unter Beobachtung der Royal Navy. Die britische Marine verfolgt die Bewegungen der Fregatte im Ärmelkanal und berichtete laut BBC im April, das Schiff habe mindestens sechs Tanker und Versorgungsschiffe sowie ein U-Boot durch den Kanal begleitet. Das Schiff wird demnach von russischen Versorgungsschiffen im Einsatzgebiet mit Nachschub versorgt.

Das britische Verteidigungsministerium kündigte eine Untersuchung der Vorgänge an. Es erklärte zugleich, der Zwischenfall stehe nach seiner Einschätzung in keinem direkten Zusammenhang mit der Aufbringung eines Schattenflotten-Tankers durch die Royal Navy am Vortag (Foto). 

Quellen: BBC, britische Medien, russisches Verteidigungsministerium, britisches Verteidigungsministerium

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